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Wandeldarlehen (Convertible Loans) - Finanzierungsmöglichkeiten für Early Stage Startups - Neue Impulse durch Pre-Seed BW

Mandanteninformation - 


Wandeldarlehen (Convertible Loans) erfreuen sich sowohl bei Startups als auch bei Investoren wachsender Beliebtheit. Das gilt gerade für frühe Unternehmensphasen (Early Stage). Auftrieb hat insbesondere das vom Land Baden-Württemberg aufgesetzte Programm „Startup BW Pre-Seed – Frühphasenförderinstrument für innovative Gründungsvorhaben“ (kurz: Pre-Seed BW) geliefert. Grund genug, einen näheren Blick auf dieses Finanzierungsinstrument zu werfen. 

Funktionsweise

Im Ausgangspunkt ist ein Wandeldarlehen ein klassischer Darlehensvertrag. Der Darlehensgeber gewährt dem Darlehensnehmer gegen eine feste Verzinsung einen Geldbetrag. Die Besonderheit besteht in dem Wandlungsrecht des Darlehensgebers: Anstelle der Rückzahlung des Darlehensbetrages kann der Darlehensgeber verlangen, dass ihm zu den vertraglich vereinbarten Konditionen eine Beteiligung am Unternehmen eingeräumt wird. Mit Wirksamwerden der Wandlung wird der Darlehensgeber zum Gesellschafter und ist mit den entsprechenden gesellschaftsrechtlichen Rechten ausgestattet. Aufgrund dieser Struktur, durch die Fremdkapital in Eigenkapital überführt wird, ist das Wandeldarlehen ein mezzanines Finanzierungsinstrument. 

Vorteile für Gründer und Investoren

Das Kernanliegen des Wandeldarlehens besteht darin, dem Unternehmen mit überschaubarem Transaktionsaufwand frisches Kapital zuzuführen, verbunden mit der Option für den Investor, zu einem zukünftigen Zeitpunkt Gesellschafter zu werden. Diese Struktur hat sowohl für Gründer und Startups als auch für Investoren Vorteile:

Der wesentliche Vorteil des Wandeldarlehens liegt darin, dass zunächst keine Unternehmensbewertung erforderlich ist. Vielmehr wird die zeit- und ressourcenintensive Bewertung auf die nächste Finanzierungsrunde verschoben, bei der das Darlehen zu den dort festgelegten Bewertungen und Konditionen in Geschäftsanteile gewandelt werden kann. Dieser Aspekt ist gerade in Early Stage Phasen bedeutsam, da in dieser Phase noch keine belastbaren Unternehmenszahlen vorliegen, so dass erhebliche Bewertungsunsicherheiten bestehen. Gründer und Investoren werden damit von den Bewertungsverhandlungen einstweilen entlastet und können sich schnell wieder auf operative Themen konzentrieren. Hinzu kommt, dass der Verwässerungseffekt bei den Gründern zeitlich verschoben wird, denn die Verwässerung tritt erst mit der Wandlung durch Ausgabe neuer Geschäftsanteile ein.

Für Investoren sind Wandeldarlehen häufig deshalb wirtschaftlich attraktiv, weil sie einen Discount (Abschlag) auf die Pre-Money-Bewertung der Finanzierungsrunde erhalten. Der Convertible-Investor erhält damit – wie bei einem Equity Kicker – verhältnismäßig mehr Geschäftsanteile als ein Finanzierungsrunden-Investor. Der Discount liegt in der Praxis regelmäßig zwischen 10% und 30%.
Beispiel: Bei einem Stammkapital von EUR 40.000 und einer Pre-Money-Bewertung von EUR 5 Mio. zahlt ein Finanzierungsrundeninvestor EUR 125 / Share. Ein Convertible-Investor zahlt bei einem Discount von 20 % hingegen nur EUR 100 / Share.

Zudem bleibt der Investor – je nach vertraglicher Gestaltung – flexibel. Falls die Bewertung der Finanzierungsrunde für ihn unattraktiv ist, kann er nämlich – je nach Vertragsgestaltung – statt der Wandlung auch Darlehensrückzahlung (samt Zinsen) verlangen. Schließlich ist zu beobachten, dass der Verhandlungsaufwand sowohl für das Term Sheet als auch für die Finanzierungsdokumentation deutlich geringer sind als bei einer klassischen Finanzierungsrunde. Auch sind Wandeldarlehensverträge in der Regel nicht beurkundungsbedürftig – gleichwohl ist dies im Einzelfall genau zu prüfen.
Ungeachtet dieser Erwägungen sollten Gründer stets prüfen, ob ein Wandeldarlehen zu der konkreten Situation ihres Unternehmens passt. 

Typische Regelungsinhalte

Auch wenn Wandeldarlehensverträge weitgehend frei gestaltbar sind, haben sich in der Praxis einige typische Regelungsinhalte herausgebildet.
Neben der Darlehenskomponente, der Verzinsung und dem Wandlungsrecht zählt der Discount zu den vertraglichen Kernelementen. Die Wandlung wird regelmäßig so ausgestaltet, dass auch aufgelaufene Zinsen erfasst werden, so dass die Liquidität des Startup nicht durch laufende Zinszahlungen belastet wird. Die Umsetzung der Wandlung bedarf einer Kapitalerhöhung. Da hierfür ein Beschluss der Gesellschafter mit einer Mehrheit von zumindest 75 % des stimmberechtigten Stammkapitals erforderlich ist, werden die Gesellschafter verpflichtet, im Fall der Wandlung eine Kapitalerhöhung zu beschließen. Der Investor wird im Gegenzug zur Übernahme der neuen Geschäftsanteile in bar und zur Einbringung seines Darlehensrückzahlungsanspruchs in die Kapitalrücklage nach § 272 Abs. 2 Nr. 4 HGB verpflichtet.

Weiterhin enthalten Wandeldarlehensverträge üblicherweise eine qualifizierte Rangrücktrittsvereinbarung. Durch solche Regelungen wird sichergestellt, dass der Darlehensrückzahlungsanspruch des Investors nicht in die Überschuldungsbilanz aufgenommen werden muss, um dafür Sorge zu tragen, dass die Gesellschaft nicht aufgrund der Darlehensaufnahme in Insolvenz gerät. Überdies wird vermieden, dass die Finanzaufsichtsbehörden das Darlehensgeschäft als erlaubnispflichtiges Bankgeschäft ansehen.

Schließlich lässt sich der Convertible-Investor regelmäßig Informationsrechte einräumen, die (weitgehend) denen eines Gesellschafters angenähert werden. Hintergrund dessen ist, dass dem Investor als Darlehensgeber keine gesellschaftsrechtlichen Informationsrechte zustehen. Aus Sicht der Investoren sind weitreichende Informationsrechte ein entscheidendes Kontrollinstrument. Für Gründer gehen damit gewisse formale Reportingpflichten einher.

Gestaltungsspielräume

Über die vorgenannten Kerninhalte hinaus unterliegen die Bedingungen und Regelungen von Wandeldarlehensverträge (in den Grenzen des zwingenden Rechts) der Vertragsfreiheit. Gewisse Restriktionen können sich zudem aus dem AGB-Recht ergeben, wenn der Regelungsgehalt für eine Vielzahl von Verträgen vorformuliert ist. Das dürfte bei von Investoren verwendeten Verträgen nicht selten der Fall sein.
Für die Vertragsgestaltung kommt es auf die individuelle Situation und Ziele an. So werden Investoren zur Absicherung des Discount an der Festlegung einer Obergrenze (Cap) der Pre-Money-Bewertung interessiert sein, während Gründer eher einen Cap für den Discount fordern. Denkbar sind aber auch Kombinationen oder die Festlegung einer Mindestbewertung (Floor), die bei der Wandlung erreicht sein muss.

Individuell verhandelt werden regelmäßig auch die das Wandlungsrecht auslösenden Ereignisse (Trigger Event). Neben dem Wandlungsrecht werden nicht selten auch Wandlungspflichten vorgesehen. Je nach der vertraglichen Gestaltung können diese einerseits der Absicherung des Startup dienen, so dass dieses bei Darlehensfälligkeit nicht mit einem hohen Rückzahlungsanspruch konfrontiert ist. Andererseits wollen Investoren ihr Investment schützen. Dem dienen etwa forced conversion-Klauseln, die den Investor berechtigen, die Wandlung auch außerhalb einer Finanzierungsrunde zu verlangen. Als Trigger Event bieten sich etwa hierbei ein Change of Control oder der Exit an.

Impulse von Pre-Seed BW

Das Pre-Seed BW Programm hat dem Finanzierungsinstrument Wandeldarlehen neue Impulse beschert. Zur Förderung von wachstumsorientierten Unternehmen in Baden-Württemberg wurde das Programm ins Leben gerufen, um die Finanzierungslücke (Equity Gap), denen sich Early Stage Startups typischerweise ausgesetzt sehen, zu schließen. Startups können sich für einen Finanzierungsbetrag in Höhe von bis zu EUR 200.000, im Einzelfall auch bis zu EUR 400.000 bewerben.

Das Programm setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: (i) aus einem öffentlich-rechtlichen, zinslosen Förderdarlehen der L-Bank und (ii) aus einem privatrechtlichen Darlehen eines Co-Investors (das sind ausgewählte Partner wie die Mannheimer Gründerzentren oder der Technologiepark Heidelberg). Beide Komponenten sind als Wandeldarlehen konzipiert. Die Finanzierungsleistungen sind zwischen dem Land Baden-Württemberg (über die L-Bank) und dem Co-Investor im Verhältnis 80 % zu 20 % aufgeteilt, wobei ein Betrag von EUR 20.000 des Landes Baden-Württemberg als rückzahlbarer Zuschuss gewährt wird.

Nähere Einzelheiten zu Pre-Seed BW sind in den „Bestimmungen des Ministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Wohnungsbau Baden-Württemberg für das Programm Start-up BW Pre-Seed“ niedergelegt. 

SAFE als neue Gestaltungsform

Als neuartige mezzanine Finanzierung begegnet mittlerweile häufiger auch das simple agreement on further equity, kurz: SAFE. SAFE stammt aus dem anglo-amerikanischen Startup-Umfeld und wurde von dem US-Early Stage Investor Y Combinator entwickelt. Im Grundsatz ist SAFE ein auf unbestimmte Zeit und zinslos gewährtes Darlehen, welches der Investor bei Eintritt der vertraglich festzulegenden Bedingungen in eine Eigenkapitalbeteiligung wandeln kann.

Fazit 

Wandeldarlehen sind ein attraktives und sowohl aus Sicht von Investoren als auch Startups interessantes Finanzierungsinstrument, gerade im Early Stage Bereich. Abhängig von der Verhandlungsposition bestehen durchaus weitreichende Gestaltungsspielräume. Gründer und Investoren sollten indes im Einzelfall prüfen, inwieweit ein Wandeldarlehen in der jeweiligen Unternehmenssituation zweckmäßig ist und die konkreten Gegebenheiten, soweit erforderlich, in die vertragliche Dokumentation einfließen lassen.

Diese Mandanteninformation beinhaltet lediglich eine unverbindliche Übersicht über das in ihr adressierte Themengebiet. Sie ersetzt keine rechtliche Beratung. Als Ansprechpartner zu dieser Mandanteninformation und zu Ihrer Beratung steht gerne zur Verfügung:

   
Dr. Nicolas Ott     +49 621 4257 205      
Dr. Matthias Heusel    +49 621 4257 256        

 

DATEIEN:
2019_05__SZA_Mandanteninformation_Wandeldarlehen.pdf 379 KB